232.04

Richtlinien für die Durchführung einer Sprachfeststellungsprüfung für Schülerinnen und Schüler nicht deutscher Muttersprache

Vom 27. Juni 1994

1. Geltungsbereich

Schülerinnen und Schüler, die ab Jahrgangsstufe 7 oder Jahrgangsstufe 5 erstmalig eine deutsche Schule besuchen und ihre Muttersprache anstelle der ersten oder zweiten Fremdsprache wählen möchten, für die aber kein erreichbares muttersprachliches Angebot besteht, kann ersatzweise die Durchführung einer Sprachfeststellungsprüfung beantragt werden.

Wenn eine Schülerin oder ein Schüler unmittelbar nach dem Besuch einer ausländischen Schule in eine der Jahrgangsstufen 7 bis 10 aufgenommen worden ist, kann an die Stelle der Note im Fach der ersten Pflichtfremdsprache frühestens im Abgangs- oder Versetzungszeugnis der Jahrgangsstufe 9 - auch mit Wirkung für das Zeugnis am Ende der Jahrgangsstufe 10 - die durch eine Prüfung in der Sprache des Herkunftslandes ermittelte Note treten.

Wenn eine Schülerin oder ein Schüler unmittelbar nach dem Besuch einer ausländischen Schule in eine der Jahrgangsstufen 5 oder 6 aufgenommen worden ist und ab Jahrgangsstufe 7 in den Bildungsgang der Realschule oder des Gymnasiums eintritt, kann an die Stelle der Note in der zweiten Fremdsprache frühestens im Abgangs- oder Versetzungszeugnis der Jahrgangsstufe 9 - auch mit Wirkung für das Zeugnis am Ende der Jahrgangsstufe 10 - die durch eine Prüfung ermittelte Note in der Sprache des Herkunftslandes treten.

Die Sprachfeststellungsprüfung kann beim Senator für Bildung, Wissenschaft, Kunst und Sport, in Bremerhaven beim Magistrat beantragt werden, der die Durchführung veranlaßt, wenn eine geeignete Lehrkraft zur Verfügung steht.

2. Durchführung

2.1 Die Sprachfeststellungsprüfung findet auf Antrag in allgemeinbildenden Schulen in der Jahrgangsstufe 9 oder 10 statt; über eine eventuell spätere Durchführung entscheidet im Ausnahmefall der Senator für Bildung, Wissenschaft, Kunst und Sport, in Bremerhaven der Magistrat. Die Prüfung wird durch einen vom Senator für Bildung, Wissenschaft, Kunst und Sport, in Bremerhaven vom Magistrat beauftragten Prüfer unter Mitwirkung der Schulleitung durchgeführt.

2.2 Nach Ermessen der Schulleitung kann die Prüfung an einem oder an zwei Tagen durchgeführt werden. Die schriftliche Prüfung umfaßt je nach Bildungsgang 60 bis 90 Minuten, die mündliche Prüfung ca. 20 Minuten. Schriftliche und mündliche Prüfung werden zu je 50 % gewertet, die Leistungen werden zu einer Gesamtnote zusammengefaßt; im Zweifelsfall entscheidet die Note der schriftlichen Prüfung.

2.3 Der Inhalt der Prüfung soll den Anforderungen entsprechen, die an eine Schülerin oder einen Schüler nach einem vier- oder sechsjährigen Unterricht im entsprechenden Bildungsgang gestellt werden.

2.4 In der schriftlichen Prüfung geht die Aufgabenstellung von einem textbezogenen Zusammenhang aus (Textlänge ca. 500 Wörter) mit bis zu acht Leitfragen oder Arbeitsanweisungen, von denen die Mehrzahl auf das Textverständnis zielt und etwa zwei über den Text hinaus auf eine Verknüpfung mit vorhandenem Vorwissen gerichtet sind. Die Teilaufgaben berücksichtigen dabei verschiedene Fertigkeitsbereiche. Bei der Sprachproduktion sind sowohl der Inhalt, der Ausdruck und die Sprachrichtigkeit zu bewerten und in einer Gesamtnote zusammenzufassen.

2.5 Auch das mündliche Prüfungsgespräch geht von einem der Schülerin oder dem Schüler vorgelegten kürzeren Text aus; neben dem Textverständnis steht die Gesprächsfähigkeit über (anspruchsvollere) altersangemessene Themen im Vordergrund.

2.6 Grundsätzlich sollen die Prüfungsaufgaben

-   unterschiedliche Lernvoraussetzungen berücksichtigen (verschiedene Aufgabentypen, Textsorten),

-   in einem thematischen Kontext stehen,

-   sich nicht ausschließlich auf Teilfertigkeiten beschränken, sondern auf den Nachweis unterschiedlicher kommunikativer Fertigkeiten ausgerichtet sein,

-   persönliche Äußerungen/ Stellungnahmen ermöglichen.

2.7 Über Verlauf und Ergebnis der Prüfung ist ein Kurzprotokoll anzufertigen und zur Schülerakte zu nehmen.

2.8 Das Ergebnis der Prüfung ist mit dem nachstehenden Wortlaut unter Bemerkungen (auch) in das Abschlußzeugnis der Hauptschule oder Realschule oder in das Versetzungszeugnis am Ende der Jahrgangsstufe 10 des Gymnasiums zu übernehmen:

 „Die in diesem Zeugnis im Fach ... ausgewiesene Note wurde im Rahmen einer Prüfung festgestellt. In der Prüfung wurden Kenntnisse nachgewiesen, die einem ... jährigen Bildungsgang in der geprüften Sprache entsprechen. Die Note tritt an die Stelle der Note in der Fremdsprache ......“ .


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