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Fördern in der Grundschule

Vom 9.September 1997

1. Prinzipien

Grundschule versteht sich als Lebens-, Lern- und Erfahrensraum für alle Schülerinnen und Schüler. Es sollte Raum vorhanden sein für Individualität und individuelle Entwicklungsarbeit. Jedes Kind ist entsprechend seinen Lernvoraussetzungen in der Lerngruppe zu fördern.

Unterricht zielt auf ganzheitliche Förderung des Kindes. Er umfaßt den sozialemotionalen, den psychomotorischen wie den kognitiven und kreativen Bereich. Die Kinder gewinnen Sicherheit, entwickeln Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und werden zur Übernahme von Verantwortung für das eigene Lernen ermutigt.

Grundlegend für den Erwerb der Schriftsprache und den Erwerb quantitativer Begriffe und Verfahren (Mathematik) ist ein strukturierter Erstunterricht, der die individuellen Lerndispositionen berücksichtigt und frühzeitig Lernschwierigkeiten erkennen läßt.

2. Förderdiagnostik

Lernschwierigkeiten können durch viele unterschiedliche Faktoren entstehen Eine Analyse von Lernproblemen muß dieser Tatsache Rechnung tragen. Die Analyse geht deshalb von der Beschreibung des Lern- und Entwicklungsstandes des Kindes aus und muß seine emotionale Verfassung, seine familiäre Situation, seine Verhaltensmuster beim Lernvorgang, die Anforderungen der Lernaufgaben und die Unterrichtsbedingungen mit einschließen. Diese wiederholt durchgeführte diagnostische Arbeit begleitet den Prozeß der Förderung.

Ergebnisse der Klassenkonferenz, der Förderdiagnostik, sowie die geplante Durchführung der Förderung und ihre Wirksamkeit sollen kurz dokumentiert werden.

3. Förderziele

Förderarbeit hat zum Ziel,

-   die Stärken von Schülerinnen und Schüler herauszufinden, sie ihnen bewußt zu machen und Erfolgs- und Könnenserlebnisse zu vermitteln,

-   Lernhemmungen und Blockaden abzubauen und Lernmotivation zu fördern,

-   individuell angemessene Arbeits- und Lernstrategien zu entwickeln,

-   im Unterricht auf Leistungsrückstände Rücksicht zu nehmen und mit geeigneten Fördermaßnahrnen vorhandene Leistungsmöglichkeiten zu nutzen.

Fördermaßnahmen können nur in ermutigenden Lernsituationen wirksam werden.

Für das Gelingen der Förderung sind der regelmäßige Kontakt, das Gespräch und die Zusammenarbeit mit den Eltern unabdingbar.

Hausaufgaben dienen nur dann der zusätzlichen Förderung außerhalb der Schule, wenn sie die Funktion haben, erlernte Arbeitsweisen selbständig anzuwenden.

4. Förderorganisation

Fördermaßnahmen erfordern verschiedene Lernangebote, die die unterschiedlichen Aneigungsformen der SchüIerinnen und Schüler berücksichtigen. Sie werden in differenzierten Unterrichtsangeboten innerhalb eines Klassenverbandes von der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer bzw. der Fachlehrerin oder dem Fachlehrer durchgeführt,

Zusätzliche Fördermaßnahmen können eingerichtet werden. Je nach Fördernotwendigkeit in den Klassen können Förderstunden/ Teilungsstunden organisiert werden, auch wenn zeitweilig die Schülerpflichtstundenzahl in Anspruch genommen wird. Es können auch klassen- und jahrgangsübergreifende Fördermöglichkeiten eingerichtet werden.

Integrierte Fördermaßnahmen für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden in Kooperation mit Sonderschullehrerinnen und Sonderschullehrern durchgeführt.

Schulinterne und außerschulische Beratungs- und Fachkompetenzen sollen hinzugezogen werderl.

5. Leistungsbeurteilung

Auch Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten beim Lernen unterliegen der Leistungsbeurteilung. In besonderen Fällen kann auf eine vergleichende Leistungsbeurteilung verzichtet werden. Es erfolgt im geförderten Bereich eine der individuellen Lernentwicklung entsprechende schriftliche Beurteilung. Darüber berät und beschließt die Klassenkonferenz.


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