433.01

Zulassungs- und Ausbildungsordnung für das Berufsgrundbildungsjahr im Lande Bremen

Vom 28. Juni 1988 (Brem.GBl. S. 187 - 223-k-15)

Aufgrund der §§ 23 und 32a des Bremischen Schulgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. Dezember 1981 (Brem.GBl. S. 251 - 223-a-5), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 31. Mai 1988 (Brem.GBl. S. 140), wird verordnet:

§ 1 Ausbildungsstätten

Das Berufsgrundbildungsjahr in vollzeitschulischer Form (BGJ/s) ist Teil der Berufsschule und kann an beruflichen Schulen und an Schulzentren des Sekundarbereichs II eingerichtet werden.

§ 2 Aufgabe und Ziel

(1) Das Berufsgrundbildungsjahr hat die Aufgabe, allgemeine (berufsfeldübergreifende) Lerninhalte und die für das jeweilige Berufsfeld wesentlichen Grundfertigkeiten, Grundkenntnisse und Grundverhaltensweisen auf Berufsfeldbreite zu vermitteln.

(2) Das Berufsgrundbildungsjahr ist im jeweiligen Berufsfeld Grundstufe der Berufsausbildung und damit Grundlage der folgenden Fachstufe (Fachbildung). Die Teilnahme am Berufsgrundbildungsjahr soll eine auf Erprobung gründende Entscheidung für die Fortsetzung in einem Ausbildungsberuf dieses Berufsfeldes ermöglichen.

§ 3 Dauer und Organisation der Ausbildung

(1) Der Unterricht im Berufsgrundbildungsjahr dauert ein Schuljahr.

(2) Die wöchentliche Unterrichtszeit ergibt sich aus den Stundentafeln der Anlagen 1 bis 12.1)

(3) Der Unterricht umfaßt einen berufsfeldübergreifenden und einen berufsfeldbezogenen Lernbereich. In Berufsfeldern, in denen Schwerpunkte ausgewiesen sind, wird der Unterricht schwerpunktbezogen in dem in der Stundentafel angegebenen Umfang erteilt.

(4) Im Rahmen der fachpraktischen Ausbildung können außerschulische Praktika unter Leitung der Schule durchgeführt werden. Sie bedürfen der Genehmigung des Senators für Bildung, Wissenschaft, Kunst und Sport.2)

§ 4 Unterrichtsfächer, Stundentafeln und Lehrpläne

(1) Die Fächer, ihre Zuordnung zu den Lernbereichen, die Zahl der Unterrichtsstunden je Fach und ihre Verteilung innerhalb des Berufsgrundbildungsjahres ergeben sich aus den Stundentafeln der Anlagen 1 bis 12. In jedem einzelnen in der Stundentafel ausgewiesenen Fach sind Noten zu erteilen, auch wenn eine Gesamtstundenzahl für mehrere Fächer ausgewiesen ist. Der Zeitbedarf für die einzelnen Fächer ist den Lehrplänen zu entnehmen.3)

(2) Für die Stundentafeln gelten folgende Bestimmungen:

1.   Unterricht in Schriftverkehr wird im Rahmen des Faches Deutsch erteilt, soweit der Lehrplan dieses vorsieht;

2.   für Schüler, bei denen zu erkennen ist, daß sie die Anforderungen des Englischunterrichts nicht erfüllen können, soll statt Englischunterricht in dem gleichen Stundenumfang Stützunterricht in anderen Fächern der Stundentafel erteilt werden;

3.   mit Genehmigung des Senators für Bildung, Wissenschaft, Kunst und Sport4) kann

a)   eine andere zeitliche Verteilung der je Fach vorgesehenen Wochenstunden vorgenommen werden, wenn dabei die für ein Jahr zu erteilende Gesamtstundenzahl je Fach nicht unter- oder überschritten wird;

b)   für ein Fach, das nicht erteilt werden kann, im Rahmen der dafür vorgesehenen Stunden Stütz- oder Förderunterricht in Fächern der Stundentafel erteilt werden;

c)   zusätzlicher Stütz- oder Förderunterricht in Fächern der Stundentafeln im Rahmen der dafür bereitgestellten Haushaltsmittel erteilt werden.

(3) Die Schwerpunktbildung beginnt, soweit vorgesehen, grundsätzlich im zweiten Schulhalbjahr.

(4) Ausländer und Aussiedler, bei denen die Sprache des Herkunftslandes (Amtssprache) nicht die deutsche Sprache ist und die anstelle der Englischnote im Abschlußzeugnis einer deutschen Schule das Ergebnis der Prüfung in der Sprache des Herkunftslandes (Amtssprache) erhalten haben oder die nicht über einen an einer deutschen Schule erworbenen Abschluß verfügen, können die Sprache des Herkunftslandes (Amtssprache) weiterhin anstelle von Englisch wählen. Kann diese Sprache aufgrund der organisatorischen oder personellen Möglichkeiten an einer Schule nicht so unterrichtet werden, daß der Unterricht den fremdsprachlichen Anforderungen des Berufsgrundbildungsjahres entspricht, kann die Note in der Sprache des Herkunftslandes (Amtssprache) durch eine Prüfung gemäß § 33 Abs. 5 der Zeugnisordnung festgestellt werden, sofern dem Senator für Bildung, Wissenschaft, Kunst und Sport5) ein geeigneter Prüfer zur Verfügung steht. Unabhängig davon kommen Ausländer und Aussiedler am Englischunterricht teilnehmen.6)

(5) Lehrpläne werden gesondert erlassen.

(6) Form und Text der Zeugnisse werden gesondert festgelegt.

§ 5 Allgemeine Unterrichtsgrundsätze

(1) Der Unterricht ist an Lernzielen orientiert. Die Lerninhalte insbesondere des fachtheoretischen und fachpraktischen Lernbereichs sind aufeinander zu beziehen. Um insbesondere auch handlungs- und projektorientierte Lernformen zu erleichtern, können für die ununterbrochene Behandlung einzelner Lerngebiete die Stundenanteile der Fächer der Stundentafel vorübergehend verändert werden, wenn dabei die für ein Jahr zu erteilende Gesamtstundenzahl eines Faches und die Wochenstundenzahl innerhalb eines der drei Lernbereiche der Stundentafel nicht über- oder unterschritten wird.

(2) Der Unterricht des berufsfeldübergreifenden Lernbereichs vermittelt allgemeine Lerninhalte. Sie bauen auf der bisher erworbenen allgemeinen Bildung auf und werden durch die Verknüpfung mit den Einsichten und Erfahrungen im jeweiligen Berufsfeld erweitert und vertieft. Auf der Grundlage meist situations- und zweckbezogener Erfahrungen soll der Schüler gesellschaftliche, technische und wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge auch losgelöst vom Einzelfall in ihrer generellen Bedeutung erkennen und zu selbständigem Handeln befähigt werden.

(3) Im berufsfeldbezogenen Lernbereich sind die Lernziele und damit die Auswahl der Lerninhalte auf die Breite des jeweiligen Berufsfeldes zu beziehen. Bei der Bestimmung der Lernziele ist die sich anschließende berufsqualifizierende Fachbildung zu berücksichtigen.

§ 6 Voraussetzungen für die Zulassung

(1) Zugelassen wird, wer das Abschlußzeugnis der Hauptschule oder ein gleichgestelltes Zeugnis besitzt. Ist in der Stundentafel zusätzlicher Stütz- und Förderunterricht vorgesehen, so wird auch zugelassen, wer das Abschlußzeugnis eines ausbildungsvorbereitenden Bildungsganges nach § 30 des Bremischen Schulgesetzes besitzt.7)

(2) Der Bewerber muß sich für ein Berufsfeld entscheiden. Zur Vorbereitung der Berufsfeldentscheidung führt die für die Anmeldung zuständige Schule mit dem Bewerber ein Beratungsgespräch. Ziel dieses Beratungsgespräches ist es, eine Empfehlung an den Bewerber abzugeben, in welchem Berufsfeld für ihn Aussicht auf eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht des Berufsgrundbildungsjahres besteht.

(3) Bewerber, die bereits ein Berufsgrundbildungsjahr mit den für die Anrechnung erforderlichen Leistungen erfolgreich durchlaufen oder wegen Nichtbestehens des Probejahrs oder trotz Wiederholens das Berufsgrundbildungsjahr ohne Anrechnungsvermerk verlassen haben, werden zu einem Berufsgrundbildungsjahr im gleichen Berufsfeld nicht zugelassen.

(4) Ausländer und Aussiedler, bei denen die Sprache des Herkunftslandes (Amtssprache) nicht die deutsche Sprache ist und die nicht über einen an einer deutschen Schule erworbenen berechtigenden Abschluß nach Absatz 1 verfügen, müssen ausreichende deutsche Sprachkenntnisse nachweisen. Der Nachweis wird durch die erfolgreiche Teilnahme an einem Zulassungsverfahren nach § 7 erbracht; auf dieses Verfahren wird verzichtet, wenn der erfolgreiche Besuch eines berufsvorbereitenden Lehrgangs mit sprachlicher Förderung nachgewiesen wird. Ausländische Bewerber müssen außerdem berechtigt sein, sich in der Bundesrepublik Deutschland nicht nur vorübergehend aufzuhalten.8)

(5) In besonderen Fällen kann der Senator für Bildung, Wissenschaft, Kunst und Sport9) einen Bewerber nach Anhören der Schule abweichend von den Zulassungsvoraussetzungen zulassen.

§ 7 Zulassungsverfahren für Ausländer und Aussiedler

(1) Der Senator für Bildung, Wissenschaft, Kunst und Sport10) bestimmt, an welchen Schulen das Zulassungsverfahren durchgeführt wird und setzt jeweils einen Zulassungsausschuß ein. Der Zulassungsausschuß besteht jeweils aus:

1.   dem Vorsitzenden;

2.   zwei Fachlehrern für Deutsch.

Das Zulassungsverfahren wird unverzüglich nach dem in § 8 Abs. 1 bestimmten Termin durchgeführt.

(2) Die Kenntnisse in der deutschen Sprache werden durch eine schriftliche Nacherzählung eines Textes von etwa 250 Wörtern und ein Gespräch überprüft. Die Zeit für die Anfertigung der Nacherzählung beträgt 90 Minuten. Das Gespräch wird vom Zulassungsausschuß geführt; es dauert in der Regel 10 Minuten. Die Arbeit und das Gespräch müssen erkennen lassen, daß der Bewerber in der Lage sein wird, dem Unterricht im Berufsgrundbildungsjahr zu folgen.

(3) Die schriftliche Arbeit ist von beiden Fachlehrern zu beurteilen. Kommt nur einer der beiden Fachlehrer zu der Überzeugung, daß mit der jeweiligen Arbeit ausreichende Kenntnisse nachgewiesen sind, entscheidet der Vorsitzende. Unter der Berücksichtigung der Ergebnisse der schriftlichen Arbeit und des Gesprächs stellt der Zulassungsausschuß fest, ob der Bewerber zugelassen werden kann.

(4) Der Bewerber kann ein zweites Mal am Zulassungsverfahren teilnehmen, wenn er eine ausreichende Vorbereitung glaubhaft macht. Der Senator für Bildung, Wissenschaft, Kunst und Sport11) kann auf Antrag gestatten, daß der Bewerber ein drittes Mal am Zulassungsverfahren teilnimmt, wenn hinreichend wahrscheinlich ist, daß der Bewerber die geforderten Sprachkenntnisse nachweisen wird.

(5) Über alle mit dem Zulassungsverfahren zusammenhängenden wichtigen Vorgänge, insbesondere über die Themenstellung und das Ergebnis, werden Niederschriften angefertigt. Die Niederschriften sind jeweils vom Protokollführer und vom Vorsitzenden zu unterzeichnen.

§ 8 Zulassung

(1) Der Antrag auf Zulassung ist bei der für die Anmeldung zuständigen Berufsschule

1.   bis zum 1. März eines jeden Jahres, wenn die Einrichtung zum 1. Schulhalbjahr vorgesehen ist, oder

2.   bis zum 1. Oktober eines jeden Jahres, wenn die Einrichtung zum 2. Schulhalbjahr vorgesehen ist,

einzureichen. Dem Antrag sind die nach § 6 geforderten Zeugnisse und Nachweise beizufügen sowie eine Erklärung darüber, ob Ablehnungsgründe nach § 6 Abs. 3 vorliegen.

(2) Über die Zulassung der Bewerber entscheidet die Schule. Wenn die nach Absatz 1 erforderlichen Nachweise noch nicht vorliegen, wird die Zulassung unter der Bedingung ausgesprochen, sie spätestens bis zum Beginn des Unterrichts vorzulegen.

§ 9 Anrechnung auf die Berufsausbildung

Das Berufsgrundbildungsjahr wird gemäß der Berufsgrundbildungsjahr-Anrechnungs-Verordnung des zuständigen Bundesministers auf die Berufsausbildung angerechnet, wenn der gewählte Ausbildungsberuf dem Berufsfeld - gegebenenfalls auch dem Schwerpunkt - zugeordnet ist, in dem das Berufsgrundbildungsjahr durchgeführt worden ist, und wenn in den einzelnen Lernbereichen mindestens folgende Noten erreicht wurden:

1.   im berufsfeldübergreifenden und im berufsfeldbezogenen - fachtheoretischen - Lernbereich ausreichende Noten, wobei eine mangelhafte Note im berufsfeldübergreifenden Lernbereich durch eine mindestens befriedigende Note im berufsfeldübergreifenden oder berufsfeldbezogenen - fachtheoretischen - Lernbereich oder eine mangelhafte Note im berufsfeldbezogenen - fachtheoretischen - Lernbereich durch eine mindestens befriedigende Note dieses Bereichs ausgeglichen werden kann;

2.   im berufsfeldbezogenen - fachpraktischen - Lernbereich ausreichende Noten.

Der Vermerk „nicht beurteilbar“ wird bei der Entscheidung über die Anrechnung wie die Note „mangelhaft“ behandelt.

§ 10 Wiederholung

Erreicht ein Schüler nicht die für die Anrechnung erforderlichen Leistungen, kann er das Berufsgrundbildungsjahr in diesem Berufsfeld einmal wiederholen. Eine zweite Wiederholung ist nur mit Genehmigung des Senators für Bildung, Wissenschaft, Kunst und Sport12) möglich. Die Wiederholung findet im Rahmen des nachfolgenden Jahrgangs statt.

§ 11 Übergangs- und Schlußbestimmungen

...

Der Senator für Bildung,

Wissenschaft und Kunst


1)   geändert durch VO v. 17.12.1989 GBl. 1990 S. 43

2)   geändert durch Geschäftsverteilung d. Senats v. 19.9.1995

3)   geändert durch VO v. 17.12.1989 GBl. 1990 S. 43

4)   geändert durch Geschäftsverteilung d. Senats v. 19.9.1995

5)   geändert durch Geschäftsverteilung d. Senats v. 19.9.1995

6)   geändert durch VO v. 17.9.1997 S. 333

7)   geändert durch VO v. 17.9.1997 S. 333

8)   geändert durch VO v. 17.9.1997 S. 333

9)   geändert durch Geschäftsverteilung d. Senats v. 19.9.1995

10)   geändert durch Geschäftsverteilung d. Senats v. 19.9.1995

11)   geändert durch Geschäftsverteilung d. Senats v. 19.9.1995

12)   geändert durch Geschäftsverteilung d. Senats v. 19.9.1995


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