Was bringt die „Blaue Karte“ für die Lese-/Rechtschreibförderung?

Bereits seit 2011 gibt es die „Blaue Karte“, bei deren Vorlage unbürokratisch die Kosten für außerschulische Nachhilfe übernommen werden sollen. Eltern sind jedoch häufig ratlos, welche Nachhilfekosten übernommen werden und wie sie diese beantragen können. In der Praxis hat sich gezeigt, dass sich insbesondere Eltern von Schülerinnen und Schülern mit einer Lese-Rechtschreib-Problematik erhoffen, dass die Kosten für eine außerschulische Förderung bei privaten Institutionen durch Vorlage der blauen Karte übernommen werden. 

Tatsächlich fallen jedoch gerade Kinder mit einer über einen längeren Zeitraum bestehenden Lese-Rechtschreib-Problematik bzw. einer Legasthenie nicht unter den Kreis der Anspruchsberechtigten aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Dies resultiert daraus, dass der Bundesgesetzgeber bei der Einführung der Ansprüche aus „Bildung und Teilhabe“ davon ausgegangen ist, dass Lernförderung (bzw. Nachhilfe) die über das Bildungs- und Teilhabepaket finanziert wird, in der Regel nur kurzzeitig notwendig sein soll, um vorübergehende Lernschwächen zu beheben und ein bestimmtes Lernziel zu erreichen. Folgerichtig hat so z.B. auch das Sozialgericht Bremen eine Entscheidung der Bildungsbehörde unter Hinweis auf diese Gesetzesbegründung in einem noch nicht rechtskräftigen Beschluss vom 24.10.2012 bestätigt und die Übernahme der Kosten eines therapeutischen Lese-Rechtschreib-Förderkurses an der Stadtteil-Schule e.V. abgelehnt und hat weiter ausgeführt, dass schulische Angebote in diesem Bereich Vorrang vor außerschulischer Lernförderung haben. Um „Frust“ über nicht übernommene Kosten bei Eltern gar nicht erst entstehen zu lassen, sollte daher kommuniziert werden, dass Ansprüche auf Lernförderung aus dem Bildungs- und Teilhabepaket immer nur kurzzeitig gezahlt werden können. Erforderlich ist zudem, dass der Bedarf von der Klassenkonferenz festgestellt wird. Für die längerfristige Förderung einer Lese-Rechtschreib-Schwäche bleibt es weiter notwendig, nach den Vorgaben der Richtlinien zur Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen (LSR- Erlass) zu verfahren.

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